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Dr. Patrick Debbelt, Ärztlicher Direktor

"Jeder Moment ist ein Neuanfang"

In der Suchtmedizin finden Menschen mit Abhängigkeits-Erkrankungen professionelle Hilfe. Auch dann, wenn eine begleitende psychische Erkrankung wie eine Depression oder eine Angststörung vorliegt.

Was ist Sucht (Abhängigkeit)?

Abhängigkeit beschreibt das unkontrollierbare Verlangen nach Stoffen wie Alkohol, illegalen Drogen, Nikotin, Medikamenten oder bestimmten Verhaltensmustern. Der Konsum verändert den Hirnstoffwechsel und löst ein starkes Belohnungsgefühl aus.

Die drei Phasen der Sucht

1. Psychische Abhängigkeit

  • Maßloses Verlangen nach dem Stoff
  • Viel Zeit für Beschaffung und Konsum aufgewendet
  • Ohne Hilfe meist nicht aufzugeben möglich

2. Körperliche Abhängigkeit

  • Toleranzbildung: Immer mehr Stoff für gleiche Wirkung nötig
  • Entzugserscheinungen bei Ausbleiben des Stoffs
  • Körperliche und seelische Gesundheit leidet

3. Soziale Folgen

  • Vernachlässigung von Familie, Freunden, Arbeit
  • Finanzielle Probleme durch Suchtstoff-Beschaffung
  • Konflikte und Isolation

Typische Anzeichen einer Sucht

  • Verhaltensänderung: Heimlichkeit, Aggressivität, Rückzug
  • Körperliche Signale: Zittern, Schwitzen, Schlafstörungen
  • Soziale Hinweise: Vernachlässigte Pflichten, finanzielle Engpässe
  • Betroffene Stoffe
  • Alkoholabhängigkeit (häufigste Suchtform)
  • Drogen (Kokain, Amphetamine, Heroin, Cannabis)
  • Medikamente (Schmerzmittel, Beruhigungsmittel)
  • Nikotinabhängigkeit

Warum professionelle Hilfe wichtig ist

Die Sucht verändert das Belohnungssystem im Gehirn dauerhaft. Selbsthilfe scheitert meist, weil:

  • Starker Suchtdruck auftritt
  • Körperliche Entzugserscheinungen gefährlich sein können
  • Rückfallrisiko ohne Therapie sehr hoch ist.

In der LWL-Klinik Hemer bieten wir umfassende stationäre Suchttherapie mit Entzug, Stabilisierung und Rehabilitation.

Wie kann Sucht behandelt werden?

Die Suchtbehandlung kann in zwei Abschnitte unterteilt werden:

An erster Stelle steht dabei die Entzugsbehandlung, deren Ziel es ist, den Körper von dem Suchtstoff zu befreien. Hier geht es also zunächst um den körperlichen Entzug, welcher in einem kurzen Zeitraum von wenigen Wochen erfolgen kann. Dieser körperliche Entzug muss in stationär-psychiatrischer Behandlung suchtmedizinisch betreut werden.

Soweit gewünscht, folgt nach einer Entzugsbehandlung die Entwöhnung, also der „psychische Entzug“. Hierbei steht die psychologische Behandlung der Abhängigkeit im Vordergrund. Diese Behandlung kann mehrere Monate in Anspruch nehmen und findet meist in Rehabilitationseinrichtungen statt.

Welche Beschwerden habe ich?

Ich:

  • habe ein sehr starkes Verlangen nach einem bestimmten Stoff oder Zustand.
  • verwende viel Zeit darauf, mich mit der Beschaffung des Suchtstoffs zu beschäftigen.
  • vernachlässige Freundinnen und Freunde und Familie und gehe bereitwillig Konflikte ein.
  • schade meinem Körper durch den Konsum.
  • schaffe es nicht, von dem Suchtstoff loszukommen.
  • brauche immer mehr von dem Stoff.
  • bin bereit mich selbst zu gefährden, um mein Verlangen zu stillen.

Wie erkennt eine Ärztin oder ein Arzt, ob ich abhängig bin?

Betroffene kommen oft nicht aufgrund der Abhängigkeit zur Ärztin oder zum Arzt, sondern aus medizinischen Gründen. Erst ein ausführliches Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt bringt Klarheit über die Sucht. In diesem Gespräch geht es unter anderem darum, was konsumiert wird und in welchen Mengen. Darüber hinaus interessiert sich Ihre Ärztin oder Ihr Arzt auch für psychische und soziale Aspekte, also beispielsweise ob Sie bestimmte psychische Symptome haben wie z.B. Gereiztheit oder Stimmungsschwankungen und in welchem sozialen Umfeld Sie sich aufhalten.

Des Weiteren werden körperliche Untersuchungen durchgeführt. Mit einer Blutuntersuchung beispielsweise kann der Gebrauch bestimmter Substanzen festgestellt werden.

Wie kann ich die Behandlung unterstützen?

Niemand gibt gerne zu, süchtig zu sein. Doch gerade die Einsicht darüber, dass ein Suchtproblem besteht, ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Erst wenn Ihnen das problematische Verhalten bewusst ist, können Sie sich darüber informieren und sich Hilfe holen.

Es gibt aber auch verschiedene Schutzfaktoren, die bei der Überwindung Ihrer Sucht helfen und die Sie aufbauen können. Zu diesen Schutzfaktoren gehören unter anderem ein positiver Umgang mit Stress und Problemen, ein unterstützendes Umfeld sowie die Möglichkeit, ihr Leben selbst gestalten zu können. Zudem können Menschen mit einem positiven Selbstbild sowie einer erhöhten Belastbarkeit in schwierigen Situationen eine Sucht leichter überwinden. Daher werden diese Faktoren auch im Rahmen der Entwöhnung gefördert.

Informationen zu Selbsthilfegruppen bundesweit finden Sie hier:

Welche Tipps gibt es für Angehörige?

Im Umgang mit den Betroffenen ist es wichtig, dass Sie die Verantwortung für die Sucht an die abhängige Person zurückgeben und nicht versuchen, sie zu verändern, denn das kann diese nur selbst! Ziehen Sie klare Grenzen und seien Sie konsequent. Trotzdem können Sie die Person dabei unterstützen, sich zu einer Therapie zu motivieren.

Angehörige von Abhängigen sollten sich möglichst über die Erkrankung informieren und professionell beraten lassen. Tauschen Sie sich mit anderen über die problematische Situation aus. Bundesweite Beratungs- und Hilfsangebote finden Sie unter den folgenden Links:

Weitere Infos für Angehörige von Suchterkrankten gibt es in unserer Angehörigengruppe:

Angehörigengruppe bei Substanzabhängigkeit (Sucht)

Die Abhängigkeit eines nahestehenden Menschen ist für Angehörige oft eine enorme Belastung. Gefühle von Hilflosigkeit, Überforderung oder Sorge sind häufige Begleiter. Die Angehörigengruppe bei Substanzabhängigkeit der LWL-Klinik Hemer (Hans-Prinzhorn-Klinik) bietet einen geschützten Raum, um Erfahrungen zu teilen, fachliche Informationen zu erhalten und Wege im Umgang mit der Situation zu finden.

Ziel und Inhalt der Gruppe

In der Angehörigengruppe erhalten Teilnehmende:

  • Informationen zu verschiedenen Aspekten von Abhängigkeitserkrankungen
  • Austausch mit anderen Angehörigen und Betroffenen
  • Unterstützung im Umgang mit herausfordernden Situationen
  • Professionell begleitete Gruppengespräche durch Fachkräfte der Klinik

Die Teilnahme ist kostenlos, die Vertraulichkeit wird selbstverständlich gewahrt.

Wer kann teilnehmen?

Eingeladen sind Angehörige, Partnerinnen und Partner, Freundinnen und Freunde sowie andere nahestehende Personen von Menschen mit einer Substanzabhängigkeit.

Termine im 1. Halbjahr 2026

Die Angehörigengruppe trifft sich jeden dritten Dienstag im Monat von 18:00 bis 19:30 Uhr in der LWL-Klinik Hemer.

  • Februar – Wie kann Kommunikation gelingen?
  • März – Co-Abhängigkeit erkennen und verstehen
  • April – Hilfesysteme und Unterstützungsangebote
  • Mai – Krisenintervention und Notfälle
  • Juni – Doppeldiagnosen

Der genaue Veranstaltungsraum in der Klinik wird nach der Anmeldung mitgeteilt.

Anmeldung und Teilnahme:
Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, wird um eine vorherige Anmeldung gebeten. Eine Anmeldung ist jeweils für den einzelnen Termin erforderlich. Sollte ein gebuchter Termin nicht wahrgenommen werden können, wird um eine Absage mindestens 24 Stunden im Voraus gebeten, damit der Platz neu vergeben werden kann.

Anmeldung und Kontakt:
Michaela Much – michaela.much@lwl.org, Telefon 02372 861-8173
oder
Sabrina Urbanek – SabrinaKatharina.Urbanek@lwl.org

Veranstaltungsort:
LWL-Klinik Hemer – Hans-Prinzhorn-Klinik
Frönsberger Straße 71
58675 Hemer

Direktkontakt zur Suchtmedizin

Sekretariat:
Michaela Much

LWL-Klinik Hemer
Hans-Prinzhorn-Klinik
Frönsberger Str. 71
58675 Hemer

michaela.much@lwl.org

Tel: 02372/861-8173

Michalea Much